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WEITERE VERANSTALTUNGEN

Angekommen - 50 Jahre Anwerbeabkommen Deutschland - Türkei
Veranstaltungen anlässlich 50 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei (weiter)

Vom Gastarbeiterland zum Einwanderungsland
Konferenz, 27.10 2011, Berlin (weiter)

Abschied aus Almanya?
Film und Podiumsdiskussion, 22.10.2011, im Haus der Kulturen der Welt, Berlin (weiter)

 
 
REIHE 50 Jahre Anwerbeabkommen Deutschland-Türkei
Fimreihe, 5.10. - 30.11.2011, jeweils Mittwochs 19.00 Uhr
Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstrasse 8, 10117 Berlin

Spielplan
Programm


Ab den 70er Jahren wird die deutsch-türkische Arbeitsmigration zum Gegenstand der Filmkunst beider Länder. Dabei prägen die Geschichten in Deutschland das Klischee des Ausländers und in der Türkei das der Almanci. Doch seit den 90er Jahren beginnen sich andere Perspektiven durchzusetzen. Die jungen FilmemacherInnen gewinnen an künstlerischer Freiheit und erfinden neue Bildersprachen und neue Genres, mit denen sie die stereotypen Bilder zum Tanzen bringen. Dabei schaffen sie Bilder für Migration abseits vom Opferdasein, oft geprägt von einer poetischen Sprache, gepaart mit Witz und Ironie sowie einer eindringlichen Ästhetik, die auch ohne Worte auskommen kann.

Die Geschichte der Arbeitsmigration aus der Türkei in einem halben Dutzend Filmen abzubilden, braucht den Mut zur Lücke. In dieser Filmreihe und den daran anschließenden Gesprächsrunden geht es darum, schlaglichtartig verschiedene (filmische) Positionen zu präsentieren und einander gegenüber zu stellen: typische, unerwartete, überkommene, gegensätzliche Positionen, die im Laufe der 50-jährigen Einwanderungsgeschichte die Gesellschaft und ihre Filmkunst verändert haben.

Die Filmreihe wird kuratiert von Amin Farzanefar. Im Anschluss an die Filmvorführungen finden Diskussionen mit geladenen Gästen statt.


Spielplan

 5.10.  E 5 - Die Todesstrecke (1978)
           anschließend Video-Vortrag:
           Stationen der deutsch-türkischen Migration im Film

12.10. Shirins Hochzeit (1975)

19.10. Deutschland, bittere Heimat (Almanya aci vatan) (1979) 
           Vorfilm: Ben Kimim? (Wer bin ich?)

2.11.   
Gölge - Zukunft der Liebe (1973)  
          
Vorfilm: One Shot

16.11. Wir haben vergessen zurückzukehren (2001)
            Vorfilm: Frizör  
           Lesung mit Imran Ayata

30.11.  Wir sitzen im Süden (2010)  
            
Vor
film: Ein Fest für Beyhan 


Programm

Mittwoch, 5. Oktober, 19 Uhr

E 5 - Die Todestrecke
S/TR  1978, 60 Min,  OmU
Dokumentarfilm, R: Tunçel Kurtiz
Die 2000 Kilometer lange E5 zieht sich quer durch Europa bis Istanbul. Bis in die 1990er hinein war sie die Hauptverbindung der südeuropäischen ArbeitsmigrantInnen in die Heimat: Fliegen war unerschwinglich und so war die „Gastarbeiterroute“ eine Strecke des permanenten Transits, völlig überlastet und als „Todesstrecke“ verrufen. Tunçel Kurtiz, der wohl bekannteste türkische Schauspieler bereiste 1978 von Berlin aus die E5, um Töne, Bilder, Stimmen zusammenzutragen, die inzwischen längst zu einer Legende geworden sind.

anschließend
Stationen der Deutsch-Türkischen Migration im Film
Video-Vortrag von Martina Priessner und Tunçay Kulaoğlu
 
Die deutsch-türkische Arbeitsmigration spiegelt sich ab den 70er Jahren in der Kinokunst beider Länder wider. Dabei dominiert das Klischee des „Ausländers“ und in der Türkei das Bild des „Almancı“, des "Deutschländers". Anfang der 90er Jahre bringen die jungen deutsch-türkischen FilmemacherInnen diese stereotypen Bilder mit ihren Erzählungen zum Tanzen. Sie entwerfen neue Bilder für Migration abseits vom Opferdasein. Der Vortrag spürt verschiedenen Facetten dieser Entwicklung nach und zeigt Motive von Aufbruch, Unterwegssein, Ankommen und Rückkehr.

Mittwoch, 12. Oktober, 19 Uhr

Shirins Hochzeit
D 1975, 125 min.,
Spielfilm, R: Helma Sanders-Brahms
mit: Ayten Erten, Jürgen Prochnow, Aras Ören, Aliki Giorgouli, Peter Franke

Die junge Shirin flüchtet vor einer Zwangsheirat aus ihrem Dorf und macht sich alleine auf den langen Weg nach Deutschland, um ihren geliebten Mahmut zu suchen. Bei der Ankunft in Köln sind die Deutschen abweisend, doch in den Fabrikhallen findet sie schnell Anschluss an andere Frauen aus verschiedensten Nationen. Als sie nach der ersten krisenbedingten Rückwanderungswelle entscheidet, in Deutschland zu bleiben, und ihren Arbeitsplatz verliert, setzt ihr sozialer Abstieg ein. Helma Sanders-Brahms zeigt Shirins Eingliederung in die Arbeitswelt, bevor der Film eine melodramatische Wendung nimmt, die damals einen Eklat auslöste. Dass die türkische Hauptdarstellerin Ayten Erten in einem deutschen Film eine „Prostituierte“ spielt, sorgte für Protest-Demos vor dem WDR-Funkhaus und Hetzkampagnen der türkischen Presse. Aras Ören, einer der ersten literarisch aktiven türkischen Schriftsteller, spielt hier nicht nur mit, sondern arbeitete auch am Drehbuch mit.

anschließend
Martina Priessner im Gespräch mit der Regisseurin Helma Sanders-Brahms

 

Mittwoch, 19. Oktober, 19 Uhr

Deutschland, bittere Heimat / Almanya aci vatan
Tr 1979, 85 min., OmU
Spielfilm, R: Serif Gören / Zeki Ökten
mit: Hülya Kocyigit, Rahmi Saltuk, Mine Tokgöz, Suavi Eren, Fikriye Korkmaz


Die kesse Güldane arbeitet fleißig in einer deutschen Montagefabrik; auf Urlaub in ihrem Dorf geht sie mit Mahmut eine Scheinehe ein, damit dieser auch nach Deutschland kann. Doch nach der Rückkehr lässt sie den unbedarften Neuankömmling links liegen, und kümmert sich weiterhin ums Geld. Erst als Güldane unausgesetzt von einem türkischen Nachbarn belästigt wird, wendet sie sich Hilfe suchend an ihren „Gatten“… Serif Gören, Altmeister des Türkischen Kinos, hat sich in mehreren Filmen der Situation der GastarbeiterInnen angenommen. In diesem mit dem Star Hülya Kocyigit besetzten Meisterwerk kehrt er die Geschlechterrollen humorvoll um, zeigt aber auch die Grenzen auf, die Industriekapitalismus und Tradition einer nach Selbstbestimmung strebenden Türkin setzen.

Vorfilm: Ben Kimim? (Wer bin ich?), 
             R: Canan Yilmaz

anschließend
21.00 Uhr Eröffnung Fotoausstellung "beyond" - Fotografien von
Loredana Nemes


Mittwoch, 2. November, 19 Uhr

Gölge - Zukunft der Liebe 
BRD 1980, 97 min, OmU
Spielfilm, R: Sema Poyraz, Sofoklis Adamidis
mit: Semra Uysal, Birgül Topçugürler, Yüksel Topçugürler, Fatos Alkan

Der Film beschreibt die erwachende Sexualität der Schülerin Gölge, Tochter türkischer Einwanderer. Sie versucht, im Berlin-Kreuzberg der 1970er und 1980er Jahre zwischen migrantischer und deutscher Lebenswelt einen eigenen Platz zu finden.

Vorfilm: One Shot (2011)
            R.: Dietrich Brüggemann

Anschließend
Amin Farzanefar im Gespräch mit der Regisseurin Sema Poyraz, dem Filmemacher Dietrich Brüggemann und der Regisseurin Ayse Polat.



Mittwoch, 16. November, 19 Uhr

Wir haben vergessen zurückzukehren
D 2001, 60 min, R: Fatih Akin,
Dokumentarfilm mit Fatih Akın, Mustafa Enver Akın, Cem Akın, Adam Bousdoukos

Fatih Akin erzählt die Geschichte seiner Eltern rückwärts. Von Hamburg über Istanbul bis in das türkische Dorf, aus dem die Familie stammt, zeigt er die einzigartige, aber auch exemplarische Reise einer Gastarbeiterfamilie, die für zwei Jahre nach Deutschland kam und 35 Jahre lang „vergaß, zurückzukehren”.

Vorfilm: Frizör (2003) 
            
Regie: Ayan Salar

Imran Ayata liest aus seinem neuen Roman "Mein Name ist Revolution" 
»Mein Name ist Revolution« ist eine Liebeserklärung an Berlin – und die Geschichte von Devrim, dessen Eltern in den 70ern nach Deutschland kamen und über Nacht mit einem Lottogewinn reich wurden. Sein engster Vertrauter ist Onkel Ahmet, Kommunist, Reisegefährte und Freund fürs Leben. Imran Ayata erzählt mit Sinn für Komik und Blick fürs Ganze. Inmitten einer sich cool gebenden Hauptstadt verbergen sich Geschichten und Welten, die manchem vertraut, vielen aber völlig unbekannt sein dürften.

Mittwoch, 30. November, 19 Uhr

Wir sitzen im Süden
D 2010, 88’min, R: Martina Priessner
Dokumentarfilm mit: Cigdem Özdemir, Fatos Yildiz, Murat Demirel, Bülent Kubulu

Ein Portrait von vier deutschtürkischen MitarbeiterInnen Istanbuler Call-Center. Die Beweggründe ihrer „Rückkehr“ nach Deutschland sind unterschiedlich: bessere Berufschancen, persönliche Spurensuche, Abschiebung oder Verschickung durch die Eltern. Das Call-Center wird zum Knotenpunkt der Kulturen, zum Durchlauferhitzer der Schicksale.

Vorfilm:  Ein Fest für Beyhan (1994) 
             
Regie: Ayse Polat

Anschließend
Amin Farzanefar im Gespräch mit der Regisseurin Martina Priessner und Protagonisten ihres Dokumentarfilms.