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Tagung: Toleranz ohne Ende - Ende der Toleranz?
Was hält die Einwanderungsgesellschaft zusammen?

Zwei Drittel aller Muslime in Deutschland betrachten sich in erster Linie als Moslems, und nur 13 Prozent als deutsche BürgerInnen. Das ist in Großbritannien und Spanien nicht viel anders; nur bei den Muslimen in Frankreich ist das Verhältnis 42:46. Unter den Deutschen insgesamt verstehen sich weit über die Hälfte in erster Instanz als BürgerInnen, nur ein Drittel betrachtet sich vorrangig als ChristIn.

Was macht die Identifikation mit dem Staat, der Gesellschaft aus? Welche Rolle spielt die Religion? Ist sie unverzichtbarer Teil des europäischen Wertefundaments – wie Papst Benedikt XVI. mit dem christlichen Bezug in der Europäischen Verfassung klarstellen will? Oder ist die Trennung von Staat und Religion notwendige Voraussetzung für eine ethnisch heterogene, religiös pluralistische Gesellschaft? Und muss bereits die Diskussion über Integration viel stärker aus religiösen Bezügen befreit werden?

Überall in Europa sind Muslime wesentlich stärker über Arbeitslosigkeit besorgt als über religiöse und kulturelle Fragen. Muss es nicht viel eher um den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft gehen? Sind die Maßnahmen gegen Ehrverbrechen und Zwangsheirat überflüssig und lenken eher von integrationspolitischen Fehlern und Versäumnissen ab? Was kommt nach Merkels Integrationsgipfel? Integration bedeutet auch auf der politischen Ebene, dass das gesamte Parteien-Spektrum MigrantInnen Angebote macht. Solange konservative nicht-christliche MigrantInnen keinen politischen Ort in der Einwanderungsgesellschaft haben, besteht die Gefahr, dass sie sich fundamentalistisch-islamischen oder ethnisch-nationalen Positionen zuwenden.

Es ist Zeit für eine rationale Diskussion über die zukünftige Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft, die sich an Teilhabegerechtigkeit, Chancengerechtigkeit und Anerkennung orientiert.          


Abschlussdebatte um 15.30 Uhr  

mit
Winfried Kretschmann, MdL, Grüne Vorsitzender der Fraktion Grüne
Franziska Brantner, Oxford University
Ekin Deligöz, MdB, CSU, kinder- und familienpolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion

Moderation: Anja Höfer, Moderatorin SWR2 Kultur

Abstracts zum Download