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Tagung: Toleranz ohne Ende - Ende der Toleranz?

 Programm zum Download als pdf

Freitag, 17. November

18 h Begrüßung
Heike Schiller-Schenten, Vorsitzende Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg

18.15 h Film
„deutschland – wäre meine richtige heimat...“
(D, 2003, 32 min, B/R: Mario Di Carlo, Prod: Hüseyin Ertunc)
eine Koproduktion der Unmündigen e.V. und der Ev. Akademie Baden, Mannheim.
Der Dokumentarfilm porträtiert jeweils drei Aussiedlerjugendliche und Jugendliche türkischer Herkunft in Mannheim. Anhand der Themen Schule, Freundschaft, Migration, Aufenthaltsstatus und Staatsbürgerschaft beschreiben die Jugendlichen nicht nur ihre Probleme in der Einwanderungsgesellschaft, sondern deuten auch auf ihr ambivalentes Verhältnis zum „Heimatland“ Deutschland hin.

18.45 h Auftaktdebatte
Brennpunkt Schule: Freiheit – Regeln – Respekt
mit
Sybille Volkholz, Bildungskommission Heinrich Böll Stiftung
Hartmut Markert, GEW-Landesvorstand
Ertekin Özcan, Vorsitzender Föderation türkischer Elternvereine
Britta Rating, Regisseurin
Oktay Özdemir, Schauspieler

Moderation: Peter Siller, Heinrich Böll Stiftung

21 h Buffet

Samstag, 18. November

9.30 h Einführungsvortrag
Toleranz: Worüber reden wir eigentlich?
Rainer Forst, Philosoph und Politikwissenschaftler, Universität Frankfurt/M.

10.30 h Panel I
Integration zwischen Assimilation und Abgrenzung Voraussetzungen für Teilhabegerechtigkeit
mit
Maria do Mar Castro Varela, freie Wissenschaftlerin
Iris Bednarz-Braun, Soziologin, Deutsches Jugendinstitut, München
Hüseyin Ertunc Ertung, die Unmündigen e.V. Mannheim

Moderation: Karl-Heinz Meier-Braun, SRW international

12.30 h Mittagessen

13.30 h Auftakt
Wie sieht unsere Gesellschaft in 10 Jahren aus?
Vivian, Rapperin

Panel II
Gesellschaftliche Integration und kulturelle Pluralität - Identitäten zwischen Individualisierung und Globalisierung - Werte der säkularen Gesellschaft
mit
Ekin Deligöz, MdB, CSU, kinder- und familienpolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion
Lore Maria Peschel-Gutzeit, Juristin
Jörg Lau, Redakteur im Hauptstadtbüro der Wochenzeitung DIE ZEIT
Havva Engin, Institut für deutsche Sprache und Literatur an der PH Karlsruhe

Moderation:
Anja Höfer, Moderatorin SWR2 Kultur

15.30 h Abschlussdebatte
Was hält die Einwanderungsgesellschaft zusammen?
mit
Winfried Kretschmann, MdL, Grüne Vorsitzender der Fraktion Grüne
Franziska Brantner, Oxford University
Reinhard Grindel, MdB, CDU/CSU, Mitglied im Innenausschuss

Moderation: Anja Höfer, Moderatorin SWR2 Kultur


Referenten und Referentinnen

Sybille Volkholz,

  Jahrgang 1944, ehemalige Hauptschullehrerin, von 1989-90 Schul-Senatorin in Berlin. Als Koordinatorin der Bildungskommission der Heinrich Böll Stiftung an deren Empfehlung "Schule und Migration" beteiligt. 2003 begleitete sie die Zukunftswerkstatt der Stiftung mit LehrerInnen und SchülerInnen aus Berliner Schulen, darunter der Rütli-Schule in Neukölln. Zur Debatte über Deutschpflicht auf dem Schulhof wie auch zum Brandbrief der Rütli-Schule meldete sie sich zu Wort.

Hartmut Markert,
  Jahrgang 1948, ist Rektor der Grundschule Hechingen mit einem Migrationsanteil von 20 Prozent. Er steht im GEW-Landesvorstand dem Bereich Allgemeinbildende Schulen vor. Seit 25 Jahren engagiert er sich für inter-kulturelle Pädagogik, die Zusammenarbeit zwischen Schule, ausländischen Eltern (wie es damals hieß) und außerschulischen Institutionen, die Berücksichtigung der Muttersprache wie für strukturelle Reformen.

Ertekin Özcan,

  Jahrgang 1946, Sozialwissenschaftler, Jurist und Dichter, lebt in Berlin, ist Bundesvorsitzender der Föderation Türkischer Elternvereine in Deutschland, hauptamtlicher Koordinator des Türkischen Elternvereins in Berlin-Brandenburg und Projektleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitskreis "Neue Erziehung e.V.“. Er hat zwei Töchter, die Türkisch als zweite Fremdsprache hatten und zurzeit die Uni besuchen.

Britta Rating,
  34 Jahre alt, arbeitet als Regisseurin im Bereich Dokumentarfilm, Feature, Kurzfilm, als Autorin, Jour-nalistin und Modedesignerin. Bei Recherchen zu dem Dokumentarfilm "Kampfzone Neukölln" entstand die Idee für die Bühnenshow „MANIACS - The Lost Generation MOVE“, die nun unter Ihrer Regie realisiert wird. In diesem Music & Dance Theater agieren 30 Jugendliche aus Neukölln und Kreuzberg im Bereich Tanz, Schauspiel, Rap und Hip Hop.

Oktay Özdemir,

   20 Jahre alt, wuchs mit vier Geschwistern in Kreuzberg und Neukölln zwischen Straße, Kriminalität und Gewalt auf. In seiner Schulzeit trainierte er in einem Zirkus, wo er entdeckt wurde. Seit seinem 12. Lebensjahr spielt er in Filmen wie „Jago“, „Knallhart“, „Zeit der Wünsche“ und „Wut“ den türkischen Klischee-Gangster, obwohl ihn andere Rollen auch reizen würden. Mit 16 Jahren brach er die Schule ab. Zuletzt besuchte er eine Haupt- und Realschule in Kreuzberg, die seit Dezember 2004 nicht mehr von SchülerInnen besucht wird, deren Muttersprache Deutsch ist.

Peter Siller,
 

geboren 1970, Leiter der Inlandsabteilung der Heinrich Böll Stiftung. Seit 2003 geschäftsführender Vorsitzender der Grundsatzkommission von Bündnis 90/Die Grünen. Daneben Vorstandssprecher der Grünen Akademie der Stiftung.

 

Rainer Forst,

   Jahrgang 1964, ist Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte am Institut für Politikwissenschaft sowie am Institut für Philosophie der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Er promovierte bei Jürgen Habermas über Theorien politischer und sozialer Gerechtigkeit und veröffentlichte seine Habilitationsschrift zu „Toleranz im Konflikt. Geschichte, Gehalt und Gegenwart eines umstrittenen Begriffs“.

Maria do Mar Castro Varela,

  Jahrgang 1964, freie Wissenschaftlerin, ist Psychologin, Pädagogin und Politikwissenschaftlerin und arbeitet u.a. zu Migrations- und Rassismusforschung, Interkulturalität, Antidiskriminierung und Postkolonialismus. Sie ist eine kritische Hinterfragerin sowohl der interkulturellen sozialen Arbeit wie auch der Opferrolle und des verinnerlichten Rassismus.

Hüseyin Ertunc,
Jahrgang. 1971, Mitglied des Vereins “die Unmündigen”, einer Selbstorganisation von MigrantInnen der 2.
und 3. Generation. Politologe, beruflich tätig als Koordinator in einem stadtteilorientierten Integrationsprogramm in Mannheim.Er ist Produzent des Films “Deutschland – wäre meine heimat …”.

Iris Bednarz-Braun,

   Jahrgang 1950, ist Soziologin und wissenschaftliche Referentin am Deutschen Jugendinstitut in München mit den Schwerpunkten Migration, Integration und interethnisches Zusammenleben. Sie arbeitete zu Geschlechterverhältnissen und Migration. Derzeit untersucht sie wie Auszubildende unterschiedlicher Herkunftskultur bei der Arbeit und in der Freizeit miteinander auskommen.

Senem Aras,
Jahrgang 1974, ist Mitglied der „Unmündigen“, eine Selbstorganisation von MigrantInnen der 2. und 3. Generation in Mannheim. Sie ist Historikerin und Erziehungswissenschaftlerin, beruflich berät und betreut sie Jugendliche, hauptsächlich mit Migrationshintergrund, im Übergang von Schule und Beruf.

Karl-Heinz Meier-Braun,

  geboren 1950, Promotion über „Ausländerpolitik in Deutschland“. Leiter der Redaktion „SWR International“ und Ausländerbeauftragter des Südwestrundfunks Stuttgart (SWR). Honorarprofessor für Politikwissenschaft an der Universität Tübingen, Mitglied im Rat für Migration (RfM). Zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema „Einwanderungsland Deutschland“.

Vivian, alias Figen Erarslan
  Jahrgang 1976, geboren in Kreuzberg, Nationalität Türkisch. Wuchs im Ruhrpott auf und lebt inzwischen wieder in Berlin. Lernte Fremdsprachenkorrespondentin, arbeitete als Verkäuferin und Bedienung, Modedesignerin,Filmschauspielerin, Sängerin. Sie produziert seit 2004 Dokumentarfilme über Hiphop, Rap undBreak; 2005 gründete sie ihre eigene Film-Produktionsfirma DELIKIZ (auf Deutsch: verrücktes Mädchen),2006 machte sie in Radio Fritz die erste türkischsprachige Musiksendung; spricht „Berlina, Kölsch, Pott, Französisch, Englisch und Türkisch“

Ekin Deligöz
 

 geboren 1971 in der Türkei, in Deutschland seit 1979, deutsche Staatsbürgerin seit 1997. 1989 trat sie bei den Grünen ein. Seit 1998 als Abgeordnete im Bundestag kinder- und familienpolitische Sprecherin der Fraktion; stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Mitglied der Kinderkommission. Nachdem sie im Oktober mit anderen Politikerinnen türkischer Herkunft öffentlich aufforderte: „Kommt im Heute an, legt das Kopftuch ab!“, erhielt sie Morddrohungen.

 


Lore Maria Peschel-Gutzeit,
  Jahrgang 1932, war von 1991-2001 Senatorin für Justiz in Hamburg und Berlin, Mitglied der Verfassungskom-mission von Bundestag und Bundesrat von 1992-1994, Bundesvorsitzende des Deutschen Juristinnenbundes von 1977 bis 1983 und ist seit 2002 Rechtsanwältin in Berlin.

Jörg Lau,
  Jahrgang 1964, Redakteur im Hauptstadtbüro der Wochenzeitung DIE ZEIT. Seine Interessensgebiete sind: Islam, Liberalismus, Integration und Religion. In einem aktuellen Essay schrieb er über den neuen Patriotismus, die linke Leitkultur der Bundesrepublik und was das alles mit der Tatsache zu tun hat, dass wir in einem Einwanderungsland leben.

Havva Engin,
  Jahrgang 1968, kam mit sechs Jahren als Tochter türkischer Gastarbeiter nach Deutschland und konnte kein Wort Deutsch. Heute ist sie Juniorprofessorin für Sprachförderung am Institut für deutsche Sprache und Litera-tur an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.
 

 Anja Höfer,

  geboren 1971, studierte Germanistik und Philosophie in Heidelberg, Autorin für ASPEKTE und DIE ZEIT. Heute Kulturredakteurin, Autorin und Moderatorin beim Südwestrundfunk in Baden-Baden, für SWR2 und Fernsehen.

Winfried Kretschmann,

  Jahrgang 1948, ist Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN im Landtag von Baden-Württemberg. Geprägt vom libe-ralen, katholischen Elternhaus und der 68er Studentenbewegung. Gymnasiallehrer u. a. für Ethik.Er war Mitbegründer der GRÜNEN Baden-Württemberg, Mitglied der ersten Landtagsfraktion und Grundsatzreferent im ersten grünen Umweltministerium in Hessen. In der Fraktion zuständig für den Dialog mit den Kirchen; er gehört dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken an.

Franziska Brantner
  Jahrgang 1979, lebt derzeit in Oxford, wo sie an einem Projekt zu „EU in the world: from vision to action" am European Studies Center, St. Antony's College, mitarbeitet und schreibt an ihrer Dissertation bei Prof. Wessels/Universität Köln über die Rolle der EU in der aktuellen UN Reform. Sie graduierte 2004 mit einem doppelten Abschluss der School of Public and International Affairs (Columbia University, New York) und dem Institut d'Etudes Politiques (Sciences Po Paris), wo sie als erste ihres Jahrgangs abschloss; sie war als Beraterin beim United Nations Development Fund for Women (UNIFEM) tätig und beriet die ständige Vertretung der Europäischen Union bei den Vereinten Nationen in New York; Mitglied des McKinsey College und Stipendiatin des Studienwerks der Heinrich Böll Stiftung.

Reinhard Grindel
  Jahrgang 1961, MdB CDU/CSU, Mitglied im Innenausschuss. Aus Protest gegen die Einführung der integrierten Gesamtschule in Hamburg trat er 1977 der CDU bei. Jurastudium und ab 1988 Journalist in Bonn, ab 1979 Leiter des ZDF-Studios in Berlin und Brüssel. Seit 2002 Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Innenausschuss.Er war Mitglied im Visa-Untersuchungsausschuss und verhandelt derzeit das Zuwanderungsänderungsgesetz.