| Anerkennung in der Einwanderungsgesellschaft
Jahrestagung der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg e.V. in Kooperation mit der Bundesstiftung der Heinrich-Böll-Stiftung 17. – 18. November 2006 in Stuttgart
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Toleranz, Integration, Leitkultur, Parallelgesellschaften: ideologisch umstrittene Begriffe, die zeigen wie sehr die Debatte um den Zustand der Einwanderungsgesellschaft Deutschland ein politisches Minenfeld ist. Was bedeutet Gerechtigkeit in der Einwanderungsgesellschaft und welche Voraussetzungen braucht sie?
Seit den Anschlägen vom 11. September 2001, den Anschlägen in Europa, der Ermordung von Theo van Gogh, dem Aufstand in den französischen Vorstädten, der Ermordung junger Frauen im Namen der Ehre und Brandbriefen von LehrerInnen wachsen Ängste und Zweifel, Muslime geraten unter Generalverdacht. Ist die Integration gescheitert? Muss sie erst beginnen? In keinem Land scheint es Patentrezepte zu geben.
Die unterschiedlichen Integrationsmodelle in den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich und den USA werden in Frage gestellt. Es ist noch nicht lange her, dass sich - mit grüner Geburtshilfe – die Einsicht durchgesetzt hat, dass Deutschland Einwanderungsland ist. In welchem Ausmaß allerdings, weiß man erst seit dem Mikrozensus 2005, mit dem erstmals nicht nur die Staatsangehörigkeit, sondern der Migrationshintergrund berücksichtigt wird: Knapp ein Fünftel der deutschen Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund, das sind doppelt so viele wie bisher als „Ausländer“ erfasst. Bei Kindern und Jugendlichen bis 25 ist es sogar ein Viertel.
Zudem zeigt sich, dass Integration keine Frage der Zeit ist. Mehrere Faktoren scheinen auf ein Rollback hin zu deuten: Der Rückgang der Deutschkenntnisse unter den Kindern der 2. und 3. Generation, die zunehmende Attraktivität eines fundamentalistischen Islam, der Symbolzuwachs des Kopftuchs, die zunehmende Zahl von Zuzugsehen, die Abnahme der Frauenerwerbstätigkeit, der Verlust der stabilisierenden Kraft der Familien für die 2. und 3 Generation.
Gleichzeitig macht sich ein politischer Rückfall in Teilen der Mehrheitsgesellschaft bemerkbar: Links-populisten sprechen von Fremdarbeitern während konservative Kreise von einer exklusiven deutschen-christlichen Leitkultur reden, einseitige Anpassungsleistungen einfordern und eine Ausgrenzungsrhetorik pflegen.
Wo stehen wir heute in der Einwanderungsdebatte? Ist der vielbeschworene Abschied von Multikulti ein Ansatz? Tragen wir der Realität Rechnung oder sind wir dabei das Kind mit dem Bade auszuschütten? Was verlangt Integration von den Zuwanderern, ihren Kindern und von der Mehrheitsgesellschaft? Wie sieht es aus mit der Toleranz gegenüber Lebensformen und Glaubensüberzeugungen, die man nicht teilt, die man eventuell sogar für falsch hält? Wie gehen wir um mit Zumutungen und Unzumutbarem?
Welche Grundlagen braucht erfolgreiche Integration? Welche Voraussetzungen braucht Teilhabegerechtigkeit? Auf welche identitätsstiftenden Werte kann sich die Einwanderungsgesellschaft einigen? Das Gelingen der Einwanderungsgesellschaft ist eine der maßgeblichen Herausforderungen der Demokratie und der gesamten Gesellschaft.
Einführungsvortrag von Prof. Rainer Forst: Was heißt Toleranz? Eine kurze Gebrauchsanweisung für einen schwierigen Begriff
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