Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.
DITIB wurde in Deutschland 1984 gegründet. Sie betreibt und baut Moscheen, vermittelt Imame, bietet Deutschkurse und verschiedene Integrationshilfen für die Moschee-Besucher an, ist in lokalen Kooperationen, sei es kulturell, zur Jungendförderung oder mit der Polizei aktiv. Im April 2005 hat sie zusammen mit der Bundesministerium für Bildung und dem Deutschen Industrie und Handelskammertag die Kampagne „Moscheen aktiv für Berufsbildung“ gestartet, durch die türkische Jugendliche ermutigt werden sollen, sich um einen Ausbildungsplatz zu bemühen. Dabei übernehmen Imame die Aufgabe, über das deutsche Ausbildungssystem zu informieren.
Nach eigenen Angaben ist DITIB vor dem Zentralrat der Muslime und dem Islamrat der größte Dachverband muslimischer Organisationen in Deutschland. Die Angaben über ihre Mitgliederzahl liegen zwischen 220.000 und 100.000.
DITIB beschreibt sich selbst als geeignete Ansprechpartnerin für die deutsche Politik, die alle Muslime vertritt, auch die nicht türkischsprechenden- vergleichbar etwa dem Zentralrat der Juden in Deutschland. Dafür empfehle sie sich, so der Vorsitzende Bekir Alboga in einem Interview mit der FAZ am 8.2.05, durch ihren moderaten und verfassungsgemäßen Islam. Diesem Selbstverständnis entsprechend hat sie u.a. eine Stellungnahme zum Entwurf des Antidiskriminierungsgesetzes verfasst, der dem Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vorgelegt wurde. In dieser Stellungnahme wird allerdings, was die Diskriminierung von MigrantInnen aufgrund ihrer Herkunft angeht, explizit nur auf Menschen aus der Türkei verwiesen, obwohl in der Bundesrepublik viele MuslimInnen aus anderen Staaten leben.
Aber kann die DITIB aufgrund ihrer Bindung an das türkische Amt für Religionsangelegenheiten kann alle MuslimInnen in Deutschland repräsentieren? Wie erleben und beurteilen hier lebende Zuwanderer aus der Türkei DITIB? Fühlen sie sich angemessen betreut und vertreten? Ist ihre Innensicht der DITIB eine andere als die Außensicht der Beobachter?
Literatur zur DITIB
- Thomas Lemmen: „Islamische Organisationen in Deutschland“, Bonn 2000
- Ursula Spuler-Stegemann, „Muslime in Deutschland: Informationen und Klärungen“, Freiburg 2002
- Günter Seufert: "Die' Türkisch-islamische Union' (DITIB) der türkischen Religionsbehörde. zwischen Integration und Isolation" in ders. (Hrsg.): Türkischer Islam und Europa, Stuttgart: Steiner, 1999, S. 295-322.
November 2005