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Reihe "Was ist der deutsche Traum?" Illustration: Drushba

 

ÜBERBLICK

Der Tod des Leistungsprinzips und seine Folgen
von Corina Weber (weiter)

Die Wirklichkeit des Leistungsprinzips: Ansprüche, Krisen, Kritik
Keynote zur Diskussionsveranstaltung „Leistung, die sich lohnt? von Prof. Dr. Sighard Neckel (weiter)

 
 
REIHE Was ist der deutsche Traum? Bildung, Integration, Aufstieg

Aus der Reihe "Was ist der deutsche Traum?"

Montag, 25.6.2012, 19 bis 21 Uhr Heinrich-Böll-Stiftung

Das Leistungsprinzip ist ein zentrales Element der sozialen Integration moderner Gesellschaften. Mit ihm wandte sich das Bürgertum einst gegen die Vorherrschaft des Adels. Wo ständisch begründete Herkunftsrechte den gesellschaftlichen Status bestimmten, sollte das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit entscheiden. Das Leistungsprinzip entsprach den Interessen des aufstrebenden Bürgertums.

Wie ist es heute um die Wirklichkeit des Leistungsprinzips in Deutschland bestellt? Wessen Interessen lassen sich daran knüpfen? Wie steht es um seine Legitimität?

Zwei Gruppen haben weiterhin großes Interesse am Leistungsprinzip: neben Frauen auch Männer und Frauen mit Migrationsbiographie. Unter Berufung auf das Leistungsprinzip kämpfen sie gegen Ungleichbehandlung und Diskriminierung. Zugleich wird auch die Legitimität des Leistungsprinzips in Frage gestellt. In Zeiten, in denen sich das Transfereinkommen des Staates nur gering von einem niedrigen Erwerbseinkommen unterscheidet, verlieren viele Menschen den Glauben an das Leistungsprinzip. Zwei von drei Deutschen sind der Meinung, dass sich Leistung in Deutschland nicht mehr lohnt, so das Ergebnis einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung aus dem November 2011. Knapp 70 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass nicht alle Menschen die gleichen Chancen auf Erfolg haben. Und ein wachsender Teil verabschiedet sich vom Leistungsprinzip, indem er auf andere Formen der gesellschaftlichen Anerkennung wie den (schnellen und oftmals spektakulären) Erfolg oder den Rückhalt in der Peergroup setzt.

Zu den Menschen, die nach wie vor auf Leistung als Mittel ihres sozialen Aufstiegs und gesellschaftlicher Anerkennung setzen, gehören heute besonders Menschen mit Migrationsgeschichte mit guten Schul- und Hochschulabschlüssen. Sie haben im Bildungssystem auf das Versprechen der Leistungsgerechtigkeit vertraut und müssen nun auf dem Weg in den qualifizierten Arbeitsmarkt vielfach feststellen, dass viele Aufstiegschancen gar nicht nach Leistung verteilt werden. Sie scheitern entweder ganz oder werden unter ihrem Qualifizierungsniveau beschäftigt.

Programm:

Eröffnung:
Mekonnen Mesghena, Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin

Keynote:
Prof. Sighard Neckel, Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

Diskussion mit:
Dr. Mehmet Gürcan Daimagüler, Rechtsanwalt und Autor von „Kein schönes Land in dieser Zeit“, Berlin
Brigitte Mergenthaler-Walter, Studienleitung Schule Schloss Salem

Moderation:
Andrea Dernbach, Journalistin/Der Tagesspiegel, Berlin

Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Teilnehmende:

Professor Sighard Neckel ist Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziale Ungleichheit an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zugleich ist er Mitglied der Leitung des Frankfurter Instituts für Sozialforschung und im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS).  Zu seinen  Forschungsschwerpunkten gehören Symbolische Ordnungen sozialer Ungleichheit, Soziologie des Ökonomischen, kultureller Wandel moderner Marktgesellschaften, Emotionssoziologie, Theorie der Praxis, als auch Gesellschaftstheorie. Zu seinen Publikationen zählen „Negative Klassifikationen und ethnische Ungleichheit“ (2010), „Leistungsbilanzen. Ein Deutungsmuster verflüchtigt sich – und bleibt umkämpft“ (2010), „Die Millionenfürsten. Managergehälter und Leistungsprinzip“ (2007), sowie „Das Leistungsprinzip als Deutungsressource. Zur Rekonstruktion von gesellschaftlichem Bewertungswissen.“ (2006).

Dr. Mehmet G. Daimagüler studierte Jura, Volkswirtschaftslehre und Philosophie in Bonn, Kiel, Witten-Herdecke, Harvard und Yale. Neben seinem Studium war er Assistent der Bundestagsabgeordneten Gerhart Baum und Burkhard Hirsch. Als Mitglied im Bundesvorstand der FDP war er der erste Türkeistämmige, der in das oberste Beschlussgremium einer deutschen Partei gewählt wurde. 2007 trat er aus der FDP aus. Er war als Berater bei der Boston Consulting Group und als Rechtsanwalt und Strategieberater in Berlin tätig. Er hat es als Beinahe-Sonderschüler und als Hauptschüler bis nach Harvard und Yale gebracht, und trotzdem: Als ungebrochene Erfolgsgeschichte sieht Dr. Mehmet Gürcan Daimagüler sein Leben in Deutschland nicht. In seinem Buch "Kein schönes Land in dieser Zeit" erzählt er aus seinem Leben und schlägt den Bogen zwischen persönlichen Erfahrungen und gesellschaftspolitischer Relevanz. Bei ihm ist das Persönliche politisch und das Politische persönlich.

Brigitte Mergenthaler-Walter ist Studien- sowie Personalleiterin und Mitglied der Geschäftsführung von Schloss Salem. Sie hat Biologie und Chemie an der Universität Tübingen studiert. Schloss Salem ist ein international ausgerichtetes Internat und zugleich ein staatlich anerkanntes Gymnasium in privater Trägerschaft. Die Schule bietet die Möglichkeit, sowohl mit dem Abitur als auch dem International Baccalaureate abzuschließen.