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Otu Tetteh

 
 
 
ZWISCHENRAUM für Kunst & Migration
YOU ARE WELCOME

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Meine erste Afrika-Reise erlebte ich als Kind im Alter von 8 Jahren in Liberia, die Erinnerungen sind spärlich, zudem sie vom dem Militärputsch (1989) überlagert sind, den wir von dem sicheren Hotelzimmer aus mitverfolgten. Die Erlebnisse 24 Jahre später in Ghana sind also nicht mit den Kindheitserinnerungen aus Liberia zu vergleichen.

Bei meiner ersten Ghana Reise im Jahre 2003 wurde ich von der Gastfreundschaft der Ghanaer überwältigt. Sicherlich wurde ich durch meine ghanaische Familie optimal in die Gesellschaft eingeführt, aber die gesamte Lebensatmosphäre in Accra hat meine sozialen Synapsen sensibilisiert.

In meiner, von der westlichen Welt „versauten“, Haltung empfand ich die Atmosphäre in Ghana als paradiesisch – umso schockierter musste ich zur Kenntnis nehmen, dass viele Ghanaer das Paradies in Europa vermuteten.

Im kalten, tristen, grauen, konservativen Europa wollt Ihr das Paradies suchen, Euer persönliches Glück finden?? Aber Ghana ist wundervoll!

Ghana ist wundervoll, aber wenn man nichts in der Tasche hat und immer die schicken Sachen auf Deutsche Welle und MTV sieht, dann will man halt auch mal nachschauen. So oder so ähnlich müssen sich auch viele Kinder und Jugendliche in der so genannten Ostzone gefühlt haben, bevor die Mauer fiel. Die Menschen sind gefangen in sichtbaren und unsichtbaren Grenzen.

Die Menschen sind gefangen in ihren eigenen Mauern, die sich in ihren Köpfen auftürmen.

Bevor ich 2005 zur Ghanapremiere der Dokumentation PAPA AFRIKA nach Accra reiste, regte der damalige Innenminister Schily die Diskussion um Auffanglager in Nordafrika an. Die Lager sollten verhindern, dass sich die Flüchtlinge bis zum europäischen Festland durchschlagen. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit diese Überlegungen auch umgesetzt wurden. Kurze Zeit später gab es Meldungen aus Marokko, dass Flüchtlinge mit Bussen in die Wüste gefahren und ausgesetzt wurden, zur
Abschreckung.

Ich bin mir aber sicher, ob ich diese Art der Politik verabscheue und viele Äusserungen deutscher Politiker haben mich persönlich zutiefst verletzt. Denn sie verdeutlichen auf subtile Weise, wie groß in Deutschland die Toleranz für institutionellen Rassismus ist.

Institutioneller Rassismus, den wir z.B. täglich in der Existenz der „Residenzpflicht“ für Asylsuchende und Flüchtlinge sehen: Keiner dieser Personen darf sich in Deutschland frei bewegen. Es gibt hier 400 unsichtbare Grenzen, die nur für Flüchtlinge gelten!

Unter dem Einfluss meiner Wut gegenüber der deutschen „Migrationspolitik“ und dem oben geschilderten Wunsch vieler Ghanaer nach Europa, Amerika oder zumindest Südafrika zu reisen, entstand diese kurze filmische Auseinandersetzung mit dem Thema.

YOU ARE WELCOME... und sie meinen es ernst!

Otu Tetteh

Über Otu Tetteh
Otu Tetteh ist 1972 als Sohn eines Liberianers und einer Deutschen in West-Berlin geboren. Bereits zu Schulzeiten wurde er als Darsteller für Film- und Fernsehproduktionen engagiert. Nach dem Abitur begann Tetteh eine freiberufliche Tätigkeit in der Filmausstattung. Mit dem ersten selbstproduzierten Kurzspielfim "Dess Or Alaif" gelingt Otu Tetteh und seiner Filmwerkstatt OWN PRODUCTIONS der erfolgreiche Einstieg in die internationale Filmlandschaft. Die selbstproduzierte Dokumentation PAPA AFRICA führt zu den Wurzeln von Tettehs Familie in Ghana und wurde bei diversen Filmfestivals weltweit aufgeführt. Die Ghana-Premiere wurde im Goethe Institut Accra durchgeführt und bei dieser Reise entstand die Kurzdokumentation YOU ARE WELCOME. Erneut konnte Tetteh mit YOU ARE WELCOME eine offizielle Berlinale Teilnahme im Jahre 2007 feiern.

 Homepage von Otu Tetteh