Trotz wirtschaftlicher Öffnung und zunehmender weltpolitischer Bedeutung ist China uns immer noch sehr fern. Mit chinesischer Kultur verbinden wir vor allem chinesisches Essen in den unzähligen Restaurants und Schnellimbissen, einige Filme des Regisseurs Zhang Yimou, die Peking-Oper, Kung-Fu, Konfuzius, Menschenrechtsverletzungen, Internetzensur und seit der Documenta vielleicht den Aktionskünstler Ay Weiwei.
Entsprechend gering ist derzeit auch das Interesse an der chinesischen Gegenwartsliteratur. Das korrespondiert mit der geringen Übersetzungsleistung deutscher Verlage, die in 2008 ganze 11 chinesische Übersetzungen herausgegeben haben. In 2009 waren es immerhin rund 80, was auf die Erwartung einer höheren Medienaufmerksamkeit aufgrund des Gaststatus Chinas auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse zurückzuführen ist. Ob die öffentlichen Debatten über unzulässige politische Interventionen, mangelne Meinungsfreiheit und Zensur im zwischen "Tradition und Innovation" pendelnden Gastland der Buchmesse etwas an der geringen Nachfrage ändern wird? Die AutorInnen der chinesischen Community in Deutschland verdienen jedenfalls ein größeres Interesse.
Dieser Themenschwerpunkt gibt einen Einblick in die kleine chinesische Community, die fast unauffällig seit Jahren in Deutschland lebt, und informiert über Motive und Themen von chinesischstämmigen AutorInnen, die in deutscher Sprache veröffentlichen. Eine ihrer Repräsentantinnen ist die Autorin
Luo Lingyuan, die uns ihre noch nicht veröffentlichte Erzählung "
Fliegender Sonnenschein - Vom Leben meiner Schwester" zur Verfügung gestellt hat.
Oktober 2009
Bildnachweis:
Titel: Chinesische Schrift Reload
Fotograf: Mishell Wendl
CC-Lizenz (BY 2.0), URL