Sprache als Raum und die Räumlichkeit von Sprache wird von SchriftstellerInnen auf sehr unterschiedliche Art und Weise genutzt. Die kulturelle Grenzerfahrung, die im städtischen Raum durch
"Ghettoisierung" visuell wird, ist auf der individuellen Ebene eine gleichermaßen körperliche Grenzerfahrung. Die Sinnlichkeit des Sprechens und Schreibens wird auf symbolische Weise zum Brückenschlag und Dialog mit dem Anderen.
Die Erfahrung der Fremdheit, die eingeschrieben in den Körper auch die Geschlechtlichkeit umfaßt, findet insbesondere bei weiblichen Autorinnen ihren literarischen Ausdruck. So wird die kulturelle und sprachliche Differenz transferiert auf den Körper als Grenze zum Außen. In der Selbstdefinition und emanzipativen Beschreibung von Körperlichkeit wird vielmehr auch eine Re-Definition der Identität und literarischer Selbstbestimmung vollzogen.
- Der Kulturwissenschaftler und Graffitiforscher Thomas Northoff sammelt seit 1983 Fotos und Belege von Graffiti im deutschsprachigen Raum und hat in Österreich das bisher größte Graffiti-Archiv mitaufgebaut. In seinem Beitrag untersucht er die urbane Semiotik von Wort-Graffiti der Dritten Generation an den Stadtwänden und macht auf die aktive wie kreative Auseinandersetzung und die lesbare Präsenz von Themen migrantischer Jugendlicher wie ethnische Identität, politische Abgrenzung oder Liebe im öffentlichen Raum aufmerksam.
- Carmine Chiellino, Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Augsburg, ist in in seinem Beitrag dem Thema der Liebe in deutschsprachigen Texten auf der Spur. Er betrachtet die grenzüberschreitende Dynamik interkultureller Liebe als Verbindung und Dialog von Eigenem und Fremdem, geht dabei auf literarische Motive kultureller Symbiose sowie sprachliche Sensibilisierungen der AutorInnen ein und zeigt, wie die Sprache zum Ort der Begegnungen der Liebenden werden kann.
- Die Literaturwissenschaftlerin und Philologin Claire Horst befaßt sich in ihrem Beitrag mit Raum- und Körperbildern hybrider Literatur und erfaßt hierbei die fiktiven Räume literaturischer Werke als Spielorte für interkulturelle Lebenswelten und imaginierte Handlungswege der Figuren. Sie geht in ihren Betrachtungen auf zwei Autorinnen im Besonderen ein, in deren Werken die Körpererkundungen der ProtagonistInnen und die symbolischen Grenzüberschreitungen als Öffnung solcher Räume ein zentrales Motiv darstellen.
- Yoko Tawada, die seit 1982 in Deutschland lebt und sowohl auf Deutsch als auch auf Japanisch schreibt, hat durch ihre äußerst sensible Beobachtung der deutschen Sprache einen neuen sprachverfremdenden Stil in ihren Werken entwickelt, der es durch stilistisch irritierende Klangspiele schafft, auch deutschen Muttersprachlern ein ganz neues Gefühl für ihre Sprache zu vermitteln. Im Interview beschreibt Sie die Vorteile des Fremdsein und warum Kafkas Verwandlung für Sie ein zentrales Motiv ist.
- Stefanie Kron, Soziologin und Literaturwissenschaftlerin, gibt in ihrem Beitrag einen Überblick über die Literatur Schwarzer Frauen und thematisiert, wie Formen der alltäglichen Diskriminierung sowie die Einschreibungen von „race“ und „gender“ in den Körper in der Literatur Schwarzer Autorinnen verarbeitet bzw. repräsentiert werden.ImWeiteren diskutiert Sie die Schwieirgkeiten Schwarzer Kulturproduktion vor dem Hintergrund verdrängter deutscher Kolonialgeschichte und stellt Orte der Artikulation und Repräsentation diasporischer Subjektivitäten und politisch-kultureller Communities in Deutschland vor.