Der Raum der Literatur dient vielen AutorInnen mit Migrations- hintergrund als Raum für die Entfaltung und Auseinandersetzung mit den kulturellen Zuschreibungen der Mehrheitsgesellschaft. Nicht wenige AutorInnen haben sich kritisch mit diesen Projektionen auseinandergesetzt. So wird das kreative Schreiben für sie zum Mittel der selbstbestimmten „EntFremdung“ und vielmehr zur Selbstdarstellung der eigenen Identität.
Den Kampf um die Integrität in der deutschen Kultur beschreiben einige AutorInnen auf sehr facettenreiche Weise, teils symbolisch und abstrakt, teils direkt und provokativ. Ihnen ist gemein, daß sie aktiv und selbstreflexiv das Ausgegrenztsein aufarbeiten und gleichermaßen durch Aneignung und „SelbstBeschreibung“ eine Zugehörigkeit neu definieren und einfordern.
- Yasemin Dayioglu, DAAD-Lektorin an der Abteilung für Deutsche Sprache und Literatur der Istanbul Universität, wirft einen Blick auf lebensweltliche Inszenierungen von Identitäten der Dritten Generation wie in der Online Community vaybee! und geht in ihrem Beitrag der Frage nach, inwiefern die Attribute Identitätsproblematik und Hybridität auf türkisch-deutsche Migrationsliteratur in ihren jeweiligen Etappen zutreffen. Sie macht auf alternative Kategorien und Analyseverfahren, vor allem den Begriff Integrität und die damit verbundenen Anerkennungskonflikte in der Literatur aufmerksam.
- Deike Wilhelm, Kulturwissenschaftlerin und freie Autorin, gibt in ihrem Beitrag Einblicke in das in Deutschland noch recht junge Phänomen der Literatur von Sinti und Roma und beleuchtet das ästhetische Programm von vier AutorInnen, die in ihrem Bemühen um Differenzierung des stereotypen Bildes vom „reisenden Zigeuner“ neue Wege der Selbstbeschreibung und Neu-Inszenierung ihrer eigenen Geschichte finden.
- Der Politik- und Kulturwissenschaftler Kien Nghi Ha befaßt sich in seinem Beitrag mit kulturellen Effekten postkolonialer Hybridität und gibt anhand des Kanak-Diskurses Beispiele für "Postkoloniales Signifying" von AutorInnen, die durch kritische Aneignung sowie durch selbst-repräsentative Praktiken der Verfremdung und Umdeutung die in den Medien vorherrschenden mehrheitsdeutschen Perspektiven und stereotypen Bilder von den „Fremden“ mit Ironie und Provokation aufbrechen.
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Serdar Somuncu, deutsch-türkischer Schauspieler, Schriftsteller und Musiker. geht es in seinem künstlerischen Werk insbesondere um die Auflösung von einengenden Denkstrukturen und starren Zuschreibungen. In einem Gespräch über Identität & Selbstverständnis, Integrationspolitik und den eigenen Weg reflektiert er die eigene Verortung als Künstler in einer multikulturellen Einwanderungsgesellschaft. Er zeigt, wie über die Mittel der Irritation, Dekonstruktion, Differenzierung und dem Verwischen von Grenzen neue Denkfiguren in einer vielfältigen Gesellschaft entstehen können.