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BIBLIOTHEK 'ZWISCHENRAUM'
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ZWISCHENRAUM für KUNST & MIGRATION

Wir freuen und bedanken uns für das Interesse und die rege Beteiligung an unserem Open Call!
Jeden Monat präsentieren wir hier eineN weitereN KünstlerIn und eineN AutorIn....

in diesem Monat:

in der Galerie >>> Sandrine Micosse

in der Bibliothek >>> Saša Stanišić


OPEN CALL

Für das Open Space Projekt ZWISCHENRAUM für KUNST & MIGRATION suchen wir Arbeiten aus den Bereichen visuelle, audio-visuelle Kunst und Literatur.

ZWISCHENRAUM für KUNST & MIGRATION ist ein Ort der Präsentation künstlerischer Arbeiten, die sich mit den Kernthemen Diversität und Migration in ihren Facetten von kultureller Identität, grenzüberschreitender Mobilität, Migrationserfahrungen und kreativer Selbstverortung auseinandersetzen.

ZWISCHENRAUM soll einen im Sinne Homi Bhabhas „Dritten Raum“ für Kunst und Migration bieten. Hier sollen die vielfältigen Stimmen, die in anderen künstlerischen und literarischen Kontexten kein oder nur selten Gehör finden, zu Wort kommen. Auch die Bedeutung des „Dritten Raumes“, als Chance für die Entstehung neuer Perspektiven und künstlerischer und literarischer Kommunikations- und Ausdrucksformen, soll genutzt und thematisiert werden. Der ZWISCHENRAUM eröffnet eine Auseinandersetzung mit Migration und einen Raum der Selbstverortung jenseits der Stigmatisierung ihrer Subjekte.

Künstlerinnen und Künstler, die an dem Projekt ZWISCHENRAUM mitwirken möchten und an einer Veröffentlichung ihrer Arbeiten interessiert sind, bitten wir, ihre Arbeiten gemeinsam mit einer Kurzbiografie und Angaben zum Werk an die MID-Redaktion zu senden.

Gerne können die Arbeiten die vielfältigen Möglichkeiten des Mediums Internet (d.h. Bilder, Texte, Audio, Video, Musik, etc.) möglichst aktiv nutzen. Kurze erläuternde Texte zu den Kunstwerken sind sehr erwünscht.

Die KünstlerInnen und AutorInnen, die ausgewählt werden, erhalten die Möglichkeit, ihre Werke für den Zeitraum von 2 Jahren auf der Website zu veröffentlichen und werden mit einem Honorar vergütet.

Auf rege Beteiligung freuen wir uns.

Olga Drossou, Sandrine Micosse, Sibel Kara

Kontakt und Infos:
E-mail:
MID-Redaktion

Heinrich-Böll-Stiftung
Schumannstraße 8
F: 030-28534-183

Zwischenraum

In seiner Nobelvorlesung "Versuch über die Vernunft der Poesie" von 1973 verortet Heinrich Böll die Kunst im "Zwischenraum": jenem Ort der unvorhersehbaren Differenz des konkreten Kunstwerks gegenüber den allerbesten und vernünftigsten Absichten. Im Zwischenraum, in der Differenz, im Rest des Unerklärlichen ereigne sich "Poesie, Gott, Widerstand". Jedes Kunstwerk sei lebendiges "Experiment und Entdeckung". Es sei Pflicht der Künstlerinnen und Künstler, mit einer Haltung poetischer Demut - nicht nach oben, sondern nach unten gerichtet -  in die Zwischenräume einzudringen, in die unerklärten und unerklärlichen Reste, wo es ganze Kontinente des "Abfalls", ja der "Abfälligkeit" zu entdecken gebe: Abfall der Geschichte der Verlierer wie der verlorenen Kontinente - "geistigen Explosivstoff für die plötzliche Erkenntnis".

Erinnerung

Kunst als Zwischenraum ist nicht nur verortet; ihr wohnt auch ein zeitlicher Index inne. Wirksam wird sie in der plötzlichen Erkenntnis, im Anspruch der historisch Unterlegenen auf Erlösung im politischen Jetzt.

Transit

Begrenzt durch die Verkehrswege, die den urbanen Raum strukturieren, entsteht der Zwischenraum als jener Nicht-Ort, als unzugänglicher, unwirtlicher, nicht intendierter Ort - bewohnt von den unterprivilegierten Schichten, Ort für Interventionen und kulturelle Aneignungen abseits stadtplanerischer Masterpläne, verkörpert in der transitorischen Kunst der Graffitis und der kunstvollen Figuren der Skateboarder.

Dritter Raum der Migration

"Abfall" und "Reste", der transitorische Nicht-Ort - sie hybridisieren die Symbole der Autorität, eignen sich in den Masterplänen niedergelegte Bedeutungen an und schaffen Raum für Handelnde, deren Freiheit und Gleichheit gefährdet sind. Homi Bhabha hat für diese kulturelle Praxis die Begriffe Abseits oder Dritter Raum gefunden und die Subjekte dieser Praxis als Migranten beschrieben: ein Dritter Raum der Überlagerung, Vermischung und Übersetzung und Transformation kultureller Identität - Ort der Verhandlung kultureller Diversität. 

ZWISCHENRAUM für KUNST & MIGRATION nimmt seinen Ausgang beim Sujet Migration, Flucht, kultureller Diversität. Sie soll selbst ein Zwischenraum sein für transitorische Umdeutungen von Innen und Außen, Eigen und Fremd in der Sprache von Malerei, Photografie und Literatur.