Die Jugendlichen aus Einwandererfamilien wollen sich nicht integrieren bzw. sie sind unfähig zur Integration, das ist die eine Seite der öffentlichen Wahrnehmung. Junge MigrantInnen sehen sich als nicht integriert, weil wir, die deutsche Mehrheitsgesellschaft, ihnen faire Zugangschancen verweigern, das ist die andere Seite. Und die Wahrheit? Die liegt wie immer irgendwo dazwischen?
Aber es ist doch auffallend, dass so viele junge MigrantInnen von einem Schlüsselerlebnis erzählen, das ihnen deutlich machte, dass sie eben doch nicht dazugehören. Beispielhaft dafür der Rapper Asya aus Köln:
Jetzt liegt es nahe, die ersten 15 Lebensjahre von Asya einfach als kindliche Illusion abzutun: du hast nie wirklich dazu gehört, hast es halt bloß nicht bemerkt. Doch damit würde der Status Quo ein weiteres Mal festgeschrieben. Wie wäre es stattdessen damit: die Welt ist tatsächlich in Ordnung in diesen ersten Jahren! Und dann stellt sich doch die Frage: wie lässt sich dieser Zustand erhalten? Was können wir tun? Was können wir mitnehmen aus diesen frühen Jahren?
- Der Rapper und Sozialarbeiter Kutlu Yurtseven beschreibt, wie er erkennen musste, dass er doch nicht dazu gehört. Und wie er durch Abitur, Studium und HipHop doch noch angekommen ist.
- Barbara Schramkowski hat Menschen mit Migrationsgeschichte, die schon lange in Deutschland leben, befragt und kommt dabei jenem subtilen Alltagsrassismus auf die Spur, der jegliches Zugehörigkeitsgefühl zerstört.
- Die Journalistin Ferda Ataman geht mit ihren Kollegen ins Gericht, die immer wieder das Klischee von bildungs- und integrationsresistenten kriminellen MigrantInnen bedienen.
- Die Professorin für Pädagogik Viola B. Georgi hat junge MigrantInnen über ihr Geschichtsverständnis - insbesondere zur NS-Geschichte – befragt; die Interviews bringen einige Vorurteile ins Wanken: jugendliche MigrantInnen interessieren sich doch für Geschichte, auch für die deutsche Geschichte.