| Ein beachtlicher Teil der besten deutschsprachigen AutorInnen ist nicht in Deutschland geboren. „Migrationsliteratur“ ist der (auch umstrittene) Oberbegriff einer ganzen Reihe äußerst unterschiedlicher deutsch- oder mischsprachiger Literaturen, die einen rasanten Wandel durchgemacht haben: was vor 30 Jahren noch abschätzig „Gastarbeiterliteratur“ oder „Betroffenheitsliteratur“ hieß, entwickelte sich zur „Brückenliteratur“ der zweiten Generation bis hin zu neueren interkulturellen Hybridität von AutorInnen der dritten Generation.
Was die AutorInnen augenscheinlich verbindet, ist der Topos der kulturellen Fremdheit, ein Gefühl des Andersseins, was in ihren Werken auf sehr individuelle Weise thematisiert wird. So scheint eine unsichtbare kulturelle und sprachliche Grenzlinie durch ihre „Mutterzunge“ zu verlaufen, die ihr künstlerisches Schaffen in der Art prägt, wie sie die Grenze zu erkunden und zu überwinden versuchen, an der Identität im interkulturellen Diskurs konstruiert und dekonstruiert wird. Welches Selbstverständnis prägt die neuere Generation dieser AutorInnen, welche Themen beschäftigen sie, welche Stilmittel und literarischen Formen und Genres entwickeln sie? |