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Veranstaltung
Donnerstag, 9. 10. 2008, 20:00 bis 22:00 Uhr 
Beletage der Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit LITERATUREN
Deutsch-türkische Simultanübersetzung -Eintritt frei

Veranstaltungsbericht

Die Türkei vereinigt eine überbordene Vielfalt an Stimmen. Der Reichtum ihrer Literatur profitiert im hohen Maße vom ethnischen Mix der Metropole Istanbul, dem spannungsreichen Nebeneinander unterschiedlicher Weltanschauungen und Lebensentwürfe an der Wegscheide von Asien und Europa. Die türkische Schriftstellerin Elif Shafak verglich das Leben am Bosporus einmal mit der Reise auf einem großen, lauten Schiff. Die eine Strömung ziehe in Richtung Verwestlichung und Demokratisierung, die andere in Richtung Nationalismus und Isolation. Obwohl die Gefahr einer (politischen) Havarie gerade in den letzten Monaten allgegenwärtig war, wird diese schwankende Befindlichkeit von außen häufig als ästhetischer Gewinn verbucht.

Viele türkische Autorinnen - unter ihnen die diesjährige Böll-Stipendiatin Asli Erdoğan sowie Şebnem Işigüzel, die während der Buchmesse als Frankfurter Stadtschreiberin tätig sein wird - suchen bewusst Erfahrungen an anderen Orten und haben diese zu einem virtuosen Spiel von Nähe und Distanz verarbeitet. Wie beurteilen sie die gegenwärtige Lage ihres Heimatlandes, zerrissen zwischen den politischen Kräften und voller Sehnsucht nach Stabilität? Mit welchen gesellschaftlichen Tabus hat eine Literatur zu kämpfen, die den strengen Blick des Zensors fürchten muss? Und welche Rolle haben insbesondere Autorinnen in einer Situation, in der weibliche Körper gerne in symbolischen Kämpfen benutzt werden?

Lesung und Diskussion mit den Schriftstellerinnen
Asli Erdoğan und Şebnem Işigüzel
Moderation: Sigrid Löffler, Herausgeberin der Zeitschrift "Literaturen"
Begrüßung: Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich Böll Stiftung

Zu den Autorinnen:

Asli Erdoğan, geboren 1967 in Istanbul, studierte Informatik und Physik an der Bosporus-Universität in Istanbul und machte dort 1993

 
Foto: © Gürcan Oztürk
ihren Abschluss. 1990 gewann Asli Erdoğan den viel beachteten Yunus-Nadi-Preis. Vier Jahre später gab sie ihre Karriere als Physikerin auf und konzentrierte sich auf das Schreiben. 1996 erschien ihr erster Roman "Mucizevi Mandarin" (Der wundervolle Mandarin), und seither lebt die Autorin als freie Schriftstellerin in Istanbul. Erdogan ist Mitglied des PEN und der türkischen Schriftstellervereinigung sowie Gründungsmitglied des Kunst- und
Literaturforums von Diyarbakir, wo sie regelmäßig Workshops, Seminare und Vorlesungen abhält. Im Herbst 2008 ist Erdoğan Stipendiatin des Böll-Hauses Langenbroich.

Şebnem Işigüzel, geboren 1973 in Yalova (Hauptstadt der türkischen Provint Yalova), studierte Anthropologie an der Universität Istanbul und

 
Foto: © Iletisim Yayinlari
arbeitete einige Jahre als Journalistin bei verschiedenen privaten Fernsehsendern. Bekannt wurde sie mit zwei Erzählungen, für die sie in der Türkei zahlreiche Literaturpreise erhielt. Şebnem Işigüzel lebt mit ihrer Tochter in Istanbul. Im Oktober nimmt Işigüzel am
Stadtschreiberprojekt "Yakin Bakis" als Teil des offiziellen Gastauftritts der Türkei auf der Frankfurter Buchmesse teil. Im September erchien ihr Roman "Am Rand" (Berlin Verlag).

Sigrid Löffler, geboren 1942 in Aussig, ist Publizistin und Herausgeberin des Magazins "Literaturen". Von 1996 bis 1999 war sie Feuilletonchefin der Zeit, von 1988 bis 2000 ständige Teilnehmerin der Kultursendung „Das literarische Quartett“ des ZDF. 1992 erhielt sie für ihre journalistische Tätigkeit den Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik. Löffler ist außerdem Mitglied der Jury des Literaturpreises der Leipziger Buchmesse sowie der Jury des Heinrich-Heine-Preises.