| Der gemeinnützige Verein FUSION-Intercultural Projects Berlin e.V. existiert seit 1996 und hat seinen Arbeitsschwerpunkt im sozialen Brennpunkt Nord-Neukölln, wo Arbeitslosigkeit und ein hoher Anteil an Familien mit Migrationshintergrund die soziale Konfiguration maßgeblich prägen.
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Die Arbeit von FUSION besteht aus einer Kombination von künstlerischer Gestaltung, Stadtplanung und Kinder- und Jugendarbeit. FUSION nutzt Kunst als ein Instrument, um den Alltag der Menschen unter prekären sozialen Bedingungen zu bearbeiten. Das Ziel ist insbesondere Kommunikation zwischen Bevölkerungsgruppen, die einander fremd sind, anzustoßen und somit das Verständnis für Verschiedenheit aber auch die Erfahrung von Gemeinsamkeiten möglich zu machen. In der babylonischen Vielfalt eines Stadtteils, dessen Bevölkerung sehr stark durch Migrationserfahrungen geprägt ist, wo unterschiedliche Sprachen, kulturelle Prägungen, Vorstellungswelten und Verhaltensmuster aufeinanderprallen und ein komplexes Netz von Projektionen und Vorurteilen erzeugen, wird Kunst zu einer Art gemeinsamer Sprache. Diese gemeinsame Grammatik hilft dabei, die komplexe Wirklichkeit zu entschlüsseln und den eigenen Standort in seiner Relation zu den Standpunkten der anderen zu erkennen. Die der künstlerischen Sprache immanenten universalen Muster, kreative Gestaltungsmethoden und Ausdrucksformen der Phantasie, übersteigen die banale Oberfläche der Alltagsrealität und schaffen so Raum für Vorstellungen alternativer Möglichkeiten. Dabei überschreitet FUSION mit seiner Arbeit die Grenzen des traditionellen künstlerischen Individualismus und der kontemplativen Abgeschiedenheit des Ateliers und begibt sich in den Lärm und die Hektik des öffentlichen Raums, wo das Leben stattfindet.
FUSION arbeitet mit der Methode der offenen Werkstatt. Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Herkunft werden in konkrete künstlerische und stadtplanerische Projekte eingebunden, um Engagement für und Identifikation mit dem eigenen Stadtteil zu stimulieren und nachhaltig zu fördern. Zielgruppe von FUSION sind gerade diejenigen Jugendlichen, die normalerweise als schwierig bzw. schwer zu erreichen und zu motivieren gelten: Jugendliche mit Migrationshintergrund, das heißt mit unterschiedlichen ethnisch-kulturellen Prägungen, mit niedrigem Bildungsniveau und aus sozial niedrigen Schichten, sozial marginalisierte oder von Marginalisierung bedrohte Jugendliche, die in Gefahr sind, in delinquente Strukturen abzugleiten. Ihre positiven Potentiale zu entdecken und zu fördern und somit praktikable Lebensperspektiven mit ihnen und für sie zu entwickeln, ist zentrale Aufgabenstellung aller Projekte von FUSION. Die angewandten künstlerischen Methoden, mit denen Projekte unterschiedlichen Formats durchgeführt werden, sind auf die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Vorstellungen der Zielgruppe zugeschnitten. Sie sind darauf ausgerichtet, einerseits Phantasie und Kreativität anzuregen und andererseits soziale Kompetenz, Kommunikationsfähigkeit, Selbstbewusstsein und Verantwortung der partizipierenden Jugendlichen zu fördern.

Kinder und Jugendliche besitzen eine Eigenschaft, die Erwachsene in einer durchorganisierten, verwalteten und gleichgültigen Welt oft verlieren: sie sind begeisterungsfähig, sie wollen entdecken und erfinden. Sie wollen herausfinden und zeigen, was sie können, was in ihnen steckt. Das Kunstverständnis von FUSION trifft in ihnen auf ideale Partner. Es geht um Visualisierung in vielfältiger Art: Umgestaltung des tristen städtischen Raums durch Farben und Formen, zum Beispiel durch zwei riesige Ochsenfrösche, die eine Straße bewachen, oder ein blaues Kamel, das beim Karneval der Kulturen das Publikum begeistert, ebenso wie durch Tanzen, Choreographie, Akrobatik, Theater, Film und Photographie. Diejenigen, die sonst unbemerkt am Rand der Gesellschaft stehen, unter den Teppich gekehrt oder im Knast versteckt werden, treten auf einmal ins Rampenlicht und zeigen, dass sie da sind, dass sie ihre eigenen Vorstellungen, Wünsche und Träume vom Leben haben. Durch ihre weithin sichtbare Leistung fordern sie ein, was ihnen zusteht: den Respekt der Gesellschaft. Gegenseitiger Respekt ist eine unabdingbare Voraussetzung für Integration.
Die von FUSION e.V. als Projektträger im Jahr 2002 in Zusammenarbeit mit der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, dem Quartiersmanagement Reuterkiez und dem Bezirksamt Neukölln von Berlin eingerichtete Jugendstrasse, die FUSIONSTREET, bildet den idealen Rahmen zur Durchführung integrationsfördernder Projekte. Die Rütlistrasse im Berliner Stadtteil Neukölln wurde im Sommer 2003 im Einvernehmen mit den Anwohnern der benachbarten Strassen für den Fahrzeugverkehr gesperrt und zum Aktionsraum für selbstgestaltete Projekte für Kinder und Jugendliche ausgebaut. In der Strasse selbst gibt es keine Anwohner sondern lediglich Einrichtungen für Kinder und Jugendliche: der von FUSION betriebene Kinder- und Jugendclub MANEGE und in enger Nachbarschaft dazu zwei Schulen und zwei Kitas, mit denen FUSION e.V. zusammenarbeitet. Die Straße bildet gerade in den Sommermonaten die Bühne für zahlreiche Veranstaltungen, Ausstellungen, Theateraufführungen und Feste. Die Kinder- und Jugendarbeit wird in den öffentlichen Raum getragen und macht eine Durchmischung und Kommunikation mit anderen Bevölkerungsgruppen des Stadtteils möglich.

Das auffälligste und bunteste Gebäude der Straße ist der Kinder- und Jugendklub MANEGE, der seit 2002 im Auftrag der Jugendförderung Neukölln von FUSION e.V. betrieben wird und der das Zentrum der Aktivitäten des Vereins darstellt. In den Räumen der MANEGE werden neben der offenen Jugendarbeit die verschiedenen künstlerisch-kreativen Projekte durchgeführt und es finden Tanz-, Theater- und Akrobatik-Workshops statt. In der Kunstwerkstatt wurden 1999 in Zusammenarbeit von Künstlern und zahlreichen Kindern und Jugendlichen die großen Reliefs für die Fassade der MANEGE gebaut, ein Modell der Jugendstrasse entwickelt, die vier Meter hohen Eingangsskulpturen aus Stahl, Beton und Polyester für die Jugendstrasse hergestellt und die Terrasse für das Straßencafé angefertigt. Hier entstehen die großformatigen Objekte für die alljährliche Teilnahme am Karneval der Kulturen aber auch Kunstobjekte für Schulhöfe und andere Jugendfreizeiteinrichtungen in der Stadt.
Die MANEGE und die FUSIONSTREET sind sichtbare Zeichen einer innovativen Form künstlerischer Sozialraumgestaltung, sie zeigen, welche Rolle Kunst bei der urbanen Regeneration spielen kann. Beide Projekte bilden zusammen eine neuartige Form von urbanem Raum, einen zwanglosen und offenen Kommunikationsraum, in dem der Einfluss von Kunst direkt erlebbar wird, eine Oase der Entspannung, erfüllt von vibrierender Kreativität inmitten eines von Problemen überstrapazierten Stadtteils, ein Ort, an dem positive Zukunftsoptionen entstehen. Berlin braucht heute positive optimistische Signale und Aktionsformen, die möglichst viele Menschen einbinden und ihnen das Gefühl vermitteln, akzeptierte und respektierte Bürger dieser Stadt zu sein. FUSION – Projekte stellen sich dieser Herausforderung.
FUSION e.V. 2005
ADRESSE Rütlistr. 1-3 12045 Berlin
MANEGE Martha Galvis de Janzer und Wolfgang Janzer Fon: 030 – 9393 5011
PROJEKTBÜRO Susanne Dähner und Yann Döhner Fon: 030 - 2701 8755 Fax: 030 – 2701 8753
INTERNET http://www.fusionstreet.com/ info@fusionstreet.com
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