| Toleranz wird in lebendigen Demokratien als aktive Bürgertugend gesehen und als zentrale Säule einer pluralistisch verfassten Zivilgesellschaft. Sie gewährt Spielräume für Menschen mit sozialen Normen und Verhaltensformen, die von Werten abgeleitet sind, die nicht mehrheitlich geteilt werden und bewahrt diese vor dem sozialen Ausschluss.
Ausgehend von der Erfahrung der blutigen Religionskriege in Europa wurde in der Aufklärung besonderes Augenmerk auf die Verwirklichung und Festschreibung der religiösen Toleranz gelegt: Der Ausspruch des preußischen Königs Friedrich II, „denn hier muss ein jeder nach seiner Façon selig werden“, klingt bis heute nach.
In den öffentlichen Diskussionen um den richtigen Umgang mit Migranten aus muslimischen Ländern ist erneut die Frage nach der Toleranz laut geworden: So hat die Kopftuchdebatte eindrücklich gezeigt, dass auf Seiten der deutschen Gesellschaft als auch auf Seiten des Staates ein gewisses Unbehagen gegenüber anderen sozialen Normen und ethisch-moralischen Werten besteht. Wie ist dieses Spannungsverhältnis lösbar? |