Die Integration der Muslime beherrscht derzeit die öffentliche Debatte in Deutschland. Über diese ohne Zweifel wichtige Frage wird oft vergessen, dass sich hierzulande noch andere Religionsgemeinschaften etabliert haben, die ebenso rechtliche und gesellschaftliche Anerkennung und Gleichstellung einfordern.
Die religiöse Landschaft in Deutschland ist in den letzten Jahren bunter und vielfältiger geworden. Studien über verschiedene Metropolregionen haben gezeigt, dass dort nicht selten über 200 Religionsgemeinschaften anzutreffen sind: zu den beiden christlichen Großkirchen und den jüdischen Gemeinden gesellen sich neugegründete Freikirchen und die Gemeinden von Eingewanderten verschiedener muslimischer Glaubensrichtungen bis hin zu Gemeinschaften von Hinduisten, Buddhisten u.v.m. Allmählich wird auch politisch anerkannt, dass Religion eine wichtige Rolle für das Gelingen der Integration der MigrantInnen spielt, zumal sie für viele eine wichtige Identität stiftende Bedeutung einnimmt.
Wie kann der faktischen religiösen Pluralisierung der Gesellschaft angemessen Rechung getragen werden? Wie soll sie organisiert werden? Ist das Religionsverständnis, das von Religionsgemeinschaften als öffentlich-rechtliche Körperschaften ausgeht, geeignet, die Gleichbehandlung der verschiedenen religiösen Gruppierungen zu gewährleisten und dem religiösen Pluralismus einen rechtlich-organisatorischen Rahmen zu geben?