Über das Dossier
Die Einsicht, dass die gesellschaftliche Vielfalt etwas Wertvolles ist und dass es für die Gesellschaft sinnvoll, ja sogar erforderlich ist, ihre Potentiale zu nutzen, setzt sich in Deutschland und den meisten europäischen Ländern nur langsam durch. Durch die Initiierung des „Europäischen Jahrs der Chancengleichheit für alle“ will die EU-Kommission deshalb Debatten darüber anstoßen, „was Vielfalt im heutigen Europa bedeutet und wie Unterschiede in der Gesellschaft als Bereicherung erfahren werden können“. Zur Begründung ihrer Initiative führt die EU Kommission die Herausforderungen durch die Globalisierung und den demografischen Wandel an: „Die unaufhaltsam wachsende Vielfalt konfrontiert uns mit Herausforderungen, auf die wir effektiver reagieren müssen, und bietet gleichzeitig eine Fülle von Chancen, die wir uns nicht entgehen lassen dürfen.“ Die Anerkennung und Würdigung von Vielfalt wird ein wichtiger Bestandteil der EU-Strategie zur Durchsetzung von Chancengleichheit in Europa werden.
Bezeichnenderweise war es die Wirtschaft, die hierzulande zuerst auf die EU-Initiative reagierte: Vier große international agierende Unternehmen unterzeichneten die „Charta der Vielfalt“ und verpflichteten sich zur Förderung und Wertschätzung von Vielfalt in ihren Unternehmen und in der Gesellschaft.
Während die Personalpolitik in der Privatwirtschaft den Wert von Diversity für die effektivere Erreichung der Unternehmensziele durch die leistungssteigernde Nutzung von Individualität und Unterschieden zu erkennen beginnt, tun sich andere wichtige Institutionen und Organisationen wie Bildungseinrichtungen, öffentliche Verwaltungen, Parteien, soziale Organisationen und Projekte noch schwer, für sie passende Diversity Konzepte zu entwickeln und einzusetzen. Dass eine "Politik der Vielfalt" auch emanzipatorische Ziele verfolgen und eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung haben kann, bleibt weitgehend noch unerkannt.
Es gibt nicht das Konzept oder eine Standard Publikation zu Diversity-Management. Eine Vielzahl von theoretischen und praktischen Positionen beleuchten das Phänomen Vielfalt jeweils aus einer anderen Perspektive, die für eine Organisation jeweils passend oder nicht-passend erscheinen mögen. Dieses Dossier beleuchtet die Bedeutung und Anpassungsfähigkeit des Diversity-Ansatzes und sich daraus ergebende Chancen für Organisation und Insitutionen im profit und non-profit Sektor. Aber auch mögliche Gefahren des Missbrauchs kommen in den Berichten und Analysen der Diversity-ExpertInnen zur Sprache.
Das Dossier hat die Betriebswirtin und Amerikanistin Asli Weheliye zusammengestellt. Sie ist Diversity Trainerin und als freie Mitarbeiterin in der Heinrich-Böll-Stiftung tätig.
Januar 2007
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