Dreht sich mit dem integrationspolitischen Kurswechsel auch der Wind in der medialen Berichterstattung über Migration, Integration, multikulturelle Gesellschaft...? Teils ja, teils nein.
Auch im Zeitalter der Globalisierung und der Transnationalisierung des Kulturellen konstruieren die Mehrheitsmedien immer noch die Fiktion der homogenen Nationalkultur. In diese sind die „guten Migranten“ mittlerweile vielfältig eingebunden, die „schlechten Migranten“ werden nach wie vor entlang ihrer vermeintlichen oder realen Defizite und Differenzen markiert. Inhalts- und diskursanalytische Studien zeigen, dass die Mainstream-Berichterstattung über Migration und Einwanderungspolitik in der Regel den dominierenden Diskursen aus Politik und Ökonomie folgt mehr, als diese kritisch zu hinterfragen. MigrantInnen, die „uns“ ökonomisch nicht nützen, werden nach wie vor in ein negatives Licht gestellt und z.B. mit dem Stigma der Illegalität versehen. Der Rassismus der Mehrheitsgesellschaft oder die menschenrechtlichen Defizite deutscher oder europäischer Politik stehen demgegenüber so gut wie nie in den Schlagzeilen.
Über Integration und hier lebende angepasste MigrantInnen wird neuerdings aber auch sehr positiv berichtet. In Unterhaltungsformaten treten MigrantInnen oder Nicht-Weiße zwar immer noch häufig in stereotypen Rollen auf, mehr und mehr sind sie aber auch als normale Menschen zu sehen und zu hören. Unausgewogene und diskriminierende Berichte über Flüchtlinge und Asylsuchende sind weniger geworden. Problematisch wird es immer dann, wenn es um Kriminalität und Terrorismus geht. Vor allem seit dem 11.9.2001 dominiert „der Islam“ als allgemeines Bedrohungsszenario das politisch und medial konstruierte Verhältnis zwischen „Uns“ und den „Anderen“. Der pauschale Terrorismusverdacht gegenüber Muslimen sowie die Überbetonung von rückständigen Geschlechterverhältnissen in „der muslimischen Kultur“ bestimmen die Konstruktion von Wirklichkeit in den Informationsmedien.
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Georg Ruhrmann zeigt auf, dass die Berichterstattung über Migration und verbundene Themen seit dem 11.September 2001 im Focus der Terrorismusbedrohung steht. Wurden MigrantInnen in der medialen Darstellung in den 80er und 90er Jahren in negativer Weise unter dem Aspekt der „Ausländerkrimininalität“ überrepräsentiert, so sind sie es seit 2001 unter der Perspektive des islamistischen Terrorismus bzw. des „Kampfs der Kulturen“.
- Ilka Desgranges verweist in ihrem Beitrag darauf, dass sich die meisten Beschwerden zur Migrationsberichterstattung, die beim Deutschen Presserat eingehen, auf die unnötige Darstellung der Herkunftsnationalität von Verdächtigen oder StraftäterInnen beziehen.
- Sabine Schiffer setzt sich mit dem unausgewogenen Zerrbild über „den Islam“ und vor allem über muslimische Frauen auseinander. Trotz zahlreicher werdender Beispiele für differenzierten Journalismus überwiegt in den Medien eine „aufgeklärte Islamophobie“.
- Stanislawa Paulus untersucht am Beispiel von als seriös anzusehenden TV-Dokumentationen, welche Bilder und Diskurse über muslimische Frauen in Medien vorherrschen.
- Janina Henning, Franziska Spitzner und Sabine Reich von der Studiengruppe „Integra TV“ zeigen am Beispiel der TV-Serie „Türkisch für Anfänger“, welche Stereotype auch mit gut gemeinten Integrations-Shows verbreitet werden.
Allgemeine Appelle zu ausgewogener Berichterstattung, wie im Nationalen Integrationsplan formuliert, werden nicht ausreichen, um ethnisierenden, sexistischen und polarisierenden Journalismus weiter einzudämmen. Weitere Anstrengungen durch politische Initiativen, Verbesserung journalistischer Standards durch Ausbildung und Selbstkontrolle, zivilgesellschaftliches Engagement und kritische Inhaltsstudien werden weiter notwendig sein.