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Veranstaltungsreihe
Multikulturalismus, Parallelgesellschaft, Islam, Extremismus sind Themen, die im Kontext der Einwanderungsgesellschaft kontrovers und zeitweilig emotional heftig diskutiert werden. Die multikulturelle Realität durchlebt derzeit eine gesellschaftspolitische Krise und wird als eine erstrebenswerte Form des Zusammenlebens in Frage gestellt. Deutschland als eine Gesellschaft im Wandel zu begreifen, in der nicht nur die unterschiedlichen ethnischen, religiösen und kulturellen Herkünfte nebeneinander bestehen können, ist heute noch schwer zu vermitteln. Die Forderung nach einem Perspektivwechsel bedeutet daher, mehr als ein Integrationsangebot. Er beinhaltet die Bereitschaft, die gesellschaftliche Vielfalt auch als integralen Bestandteil der eigenen Kultur anzunehmen.

Im Rahmen der Reihe finden folgende Abendveranstaltungen statt:

I. Good Bye Germany!? – Republikflucht und Brain Drain
1. März 2007, 19.00 - 22.00 Uhr in Berlin   

II. Deine Welt – Meine Welt? – Parallelgesellschaften
6. Juni 2007, 19.00-21.00 Uhr in Berlin

III.  Vor der Hetzjagd - Hass und Verachtung für das Andere
18. September 2007, 19.00-21.00 

IV. Alles deutsch oder was? - Patriotismus in der multikulturellen Gesellschaft
22. November 2007, 19.-21.00 Uhr in Berlin

 

I. Good Bye Germany!? – Republikflucht und Brain Drain 
1. März 2007, 19.00 - 22.00 Uhr      Programm 
Bank für Sozialwirtschaft, Oranienburger Str. 13-14, 10178 Berlin 

Jährlich verlassen etwa 250.000 Menschen Deutschland. Viele von ihnen sind hoch qualifiziert. Arbeitslosigkeit und berufliche Perspektivlosigkeit einerseits und Diskriminierung und Ausschluss im Beruf und Wissenschaft andererseits sind die Hauptgründe, weshalb viele gut ausgebildete Menschen Deutschland das Rücken kehren.
Zudem steht die Bildungsqualität Deutschlands im weltweiten Vergleich alles andere als ruhmreich da. Während viele westliche Nationen um die „besten Köpfe“ ringen und ihnen Berufs- und Lebensperspektiven anbieten können, reiht sich Deutschland inzwischen zu den Nationen, die unter „Brain drain“ leiden. Droht Deutschland auszubluten?

Keynote: Prof. Dietrich Thränhardt, Universität Münster
Staements und Kommentare:
Dr. Kerstin E. Finkelstein, Autorin von "Ausgewandert"
Daniela Bigalk, Europaservice der Bundesagentur für Arbeit.

II. Deine Welt – Meine Welt? – Parallelgesellschaften 
6. Juni 2007  19.00-21.00 Uhr   Programm  
Galerie der Heinrich-Böll-Stiftung, Hackesche Höfe Rosenthaler Str. 40/41, Berlin-Mitte

Im Kontext bestimmter deutscher und europäischer Großstadtteile ist oft von "Parallelgesellschaften" die Rede. Zweifelsohne sind durch sozio-ökonomische Abkoppelungen und Bildungsdefizite Desintegrationstendenzen festzustellen. Doch bilden sich in diesen Räumen tatsächlich auch ethnisch und religiös bedingte "Parallelgesellschaften"?
Warum redet man beispielsweise im Zusammenhang bestimmter Stadteile in Berlin oder Köln von "Parallelgesellschaften", aber nicht in Düsseldorf von "Klein-Tokio"?Weshalb würden Migranten- und muslimische Communities Abkoppelung, Isolation und "Parallelgesellschaft" freiwillig favorisieren?

Keynote Prof. Wolf-D. Bukow, Universität Köln
Statements und Kommentare:
Kristina Köhler, MdB, Bundestagsfraktion CDU/CSU, Wiesbaden
Dr. Rauf Ceylan, Autor / Sozialwissenschaftler, Düsseldorf
Alexander Dzembritzki, Schulleiter der Rütli-Oberschule, Berlin


III. Hass und Verachtung für das Andere? Radikalismus in Deutschland
18. September, 19.00-21.00    Programm
Galerie der Heinrich-Böll-Stiftung, Hackesche Höfe Rosenthaler Str. 40/41, Berlin-Mitte

Im Einwanderungsland Deutschland nimmt die Gewaltbereitschaft junger Menschen – vorwiegend Männern – gegen das vermeintlich Andere und Fremde nicht ab, sondern zu. Jüngste Ereignisse wie in Mügeln, wo eine regelrechte Hetzjagd gegen indische Migranten stattfand, sind lediglich nur die Spitze eines Eisbergs. Rassistische Hasstiraden gegen Minderheiten und Migranten sind oft der Ausgangspunkt brutaler Angriffe. Oft wirken staatliche Strukturen machtlos gegen den organisierten Hass. Wie bedrohlich ist dieses gesellschaftliche Phänomen für die Demokratie in Deutschland? Wie wird es aus einem Vorurteil Radikalismus mit Hass und Verachtung und zum Schluss Gewalt? Wie lässt sich dieser Prozess  beeinflussen oder gar aufhalten? Welche Unterstützung und Aktionen vor Ort können helfen, bevor etwas passiert?

Keynote: Prof. Wilhelm Heitmeyer, Universität Bielefeld
Statements und Kommentare:
Manuel Bauer, Zentrum Demokratische Kultur / ehem. „Kameradschaftsführer“ in Torgau (Sachsen), Berlin 
Solvejg Höppner, Mobiles Beratungsteam aus Sachsen (Kulturbüro Desden; Wurzen)

IV. Alles deutsch oder was? - Patriotismus in der multikulturellen Gesellschaft
22. November 2007, 19.-21.00 Uhr    Programm
Galerie der Heinrich-Böll-Stiftung, Hackesche Höfe Rosenthaler Str. 40/41, Berlin-Mitte

Die Welle der Begeisterung während der Fußballweltmeisterschaft 2006 hatte eine breite Schicht der deutschen Bevölkerung erreicht. Deutsche Farben schmückten
die Strassen und die Gesichter der Menschen. Zu selbstverständlichen Alltagsbilder jener Tage gehörte auch, dass MigrantInnen ihr Gesicht mit den Farben schwarz-rot-gold bemalten und die Flagge unbekümmert schwanken. Damit demonstrieren MigrantInnen, dass Deutschland längst ihre Heimat geworden ist. Was in anderen europäischen Ländern selbstverständlich erscheint, versetzt ein solches Nationalgefühl nicht wenige „Deutsche“ in Erstaunen und Irritation; damit geraten doch festsitzende Denkweisen im Hinblick auf die Haltung von MigrantInnen, aber auch Deutschen selbst zu Deutschland regelrecht ins Wanken. Sind solche symbolische Akte schon ein Beweis für eine nationale Bekennung – ein Stück Patriotismus? Was sind überhaupt die Elemente, die den Patriotismus in der Einwanderungsgesellschaft ausmachen? Wie viel Zusammenhalt benötigt eine Gesellschaft, die sich im Wandel befindet? Haben MigrantInnen hierzulande ein anderes Verhältnis zu ihrem Land als in anderen europäischen Ländern?

Keynote: Nina Sauermann, RWTH International Academy, Aachen
Statements und Kommentare:
Navina Omilade, Fußball-Nationalspielerin, VfL Wolfsburg
Adé Bantu, Musiker, Brothers Keepers, Köln
María do Mar Castro Varela, Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin